Ich habe den Stuhl 30 cm tiefer gestellt und noch einmal gemessen, und ein tiefer Einbruch bei 80 Hz war weg. Am Raum hatte sich nichts geändert. Bewegt hatte sich nur das Mikrofon.
Kurz gesagt
Das Messmikrofon gehört an den Platz, an dem Sie tatsächlich hören, auf Ohrhöhe. Auf ein Stativ, mit Abstand zu Wand, Tisch und eigenem Körper, und beim Messen des Raums zeigt die Kapsel nach oben. Als Abstand: 2-3 m für Raummessungen, rund 1 m, wenn Sie den Charakter des Geräts selbst wissen wollen.
Der Hörplatz ist der Bezugspunkt. Nahe reflektierende Flächen meiden, die Höhe mit dem Stativ fixieren
Warum die Position die Werte so stark verändert
Unterhalb einiger hundert Hertz bestimmen stehende Wellen das Geschehen, die von den Raummaßen vorgegeben sind. Gleicher Raum, gleiche Lautsprecher: Am Bauch hebt sich eine Frequenz an, am Knoten fällt sie um mehr als 10 dB. Der Einbruch bei 80 Hz vom Anfang war kein Fehler des Raums. Das Mikrofon stand schlicht nahe an einem Knoten.
Im unteren Mittenbereich ist ein anderer Täter am Werk. Reflexionen von Frontwand und Boden treffen leicht verzögert ein und löschen den Direktschall bei bestimmten Frequenzen aus, und welche das sind, hängt vom Abstand zwischen Lautsprecher und Fläche ab. Man muss also keinen Lautsprecher verschieben, um den Einbruch zu verschieben. Das Mikrofon genügt.
Weiter oben wird es noch feiner. Wandreflexionen legen ein Kammfiltermuster aus Bergen und Tälern an, das so eng liegt, dass wenige Zentimeter Mikrofonweg sie vertauschen. Dort aus einer einzelnen Messung Korrekturen abzuleiten ist nicht nur sinnlos, sondern schädlich. Genau deshalb hält Sonir die Raumkorrektur bei 20-300 Hz und begrenzt die Anhebung auf +6 dB pro Filter: Was sich mit Ihrer Position bewegt, lässt sich elektrisch nicht glattziehen.
Das Vorgehen
- Am tatsächlichen Hörplatz messen. Nicht in der Mitte, nicht auf Achse in 1 m.
- Die Höhe mit dem Stativ fixieren, passend zur Ohrhöhe im Sitzen.
- Mehrere Dutzend Zentimeter Abstand zur Wand; Tischplatten und Monitore meiden.
- Die Kapsel nach oben richten. Wenn vorhanden, die 90°-Kalibrierkurve nutzen.
- Auf -6 bis -12 dBFS Spitzenpegel einpegeln und den Sweep laufen lassen.
- Um 30-50 cm versetzen und zwei weitere Positionen aufnehmen.
Der Abstand hängt von der Frage ab
“Messen” ist nicht eine einzige Sache. Was Sie wissen wollen, entscheidet, wohin das Mikrofon kommt.
| Was Sie wissen wollen | Mikrofonposition | Was erfasst wird |
|---|---|---|
| Wie der Raum klingt (RT60, Raumkorrektur) | Hörplatz, 2-3 m | Reflexionen und Raummoden inklusive |
| Wie das Gerät selbst klingt (Klangcharakter, Frequenzgang) | ca. 1 m vom Lautsprecher, weg von Wänden | Direktschall dominiert, Raumanteil dünn |
| Lokalisation und Links/Rechts-Symmetrie | Hörplatz, mehrere per Stativ parallel versetzte Punkte | Laufzeitdifferenz und wie positionsabhängig die Auslöschungen sind |
Die Klangprofil-Messung von Sonir führt im Assistenten auf etwa 1 m, bewusst getrennt vom gewöhnlichen Sweep. Misst man denselben Lautsprecher aus 2-3 m, mischt sich die Farbe des Raums darunter, und damit fällt genau das weg, was ein Gerätevergleich braucht: identische Bedingungen.
Bei der Lokalisation ist es noch strenger. Sie setzt ein Stativ voraus, denn das Verfahren versetzt das Mikrofon parallel nach Mitte, links, rechts, oben und unten und misst Punkt für Punkt. Wackeln die relativen Positionen, existiert die gesuchte Größe gar nicht. Aus der Hand wird das Ergebnis dort nicht ungenauer, sondern gegenstandslos.
Typische Fehler
- Das Telefon in der Hand halten: der Körper reflektiert, und die Position ist jedes Mal neu.
- Das Telefon flach auf den Tisch legen: die Reflexion der Tischplatte kommt im denkbar ungünstigsten Winkel und schreibt die Mitten um.
- Direkt vor der Stuhllehne: eine harte Fläche 30 cm hinter dem Mikrofon wirkt stärker, als sie aussieht.
- Das Mikrofon zwischen den Durchgängen verschieben: Sie glauben, einen Unterschied zwischen Lautsprechern zu sehen. Sie sehen einen Unterschied in der Position.
Der letzte Punkt hat mich einen halben Tag gekostet. Beim Lautsprechertausch habe ich das Stativ jedes Mal zur Seite gestellt und um einige Dutzend Zentimeter versetzt zurückgestellt. Berge und Täler im Bass fielen jede Messung anders aus, und fast hätte ich geschlossen, dass ein Lautsprecher keinen Bass hat. Es war das Mikrofon. Seit Klebemarken auf dem Boden liegen, erscheint derselbe Einbruch an derselben Stelle. Die Felder für Geräteprofil und Raum-Tag stammen aus diesem Nachmittag.
Häufige Fragen
Sollte das Mikrofon in die Raummitte?
Nein. Die Mitte liegt häufig auf einem Knoten der tieffrequenten Raummoden, sodass real vorhandener Bass in der Messung als Loch erscheint. Maßgeblich ist der Hörplatz. Die Mitte ist nur sinnvoll, wenn Sie gezielt Raummoden suchen.
Soll das Mikrofon zu den Lautsprechern zeigen oder nach oben?
Nach oben, wenn Sie den Raum vom Hörplatz aus messen. Enthält Ihre Kalibrierdatei sowohl eine 0°- (Achse) als auch eine 90°-Kurve (senkrecht), nehmen Sie die 90°-Kurve. Die 0°-Kurve ist für die Nahfeldmessung eines einzelnen Lautsprechers auf Achse gedacht.
Welche Höhe ist Ohrhöhe?
Es gibt keinen festen Wert. Setzen Sie sich hin und messen Sie Ihre eigene Ohrhöhe. Bei einem typischen Hörsessel landet man um 100-120 cm über dem Boden, zwischen Sofa und Bürostuhl liegen aber schnell mehr als 10 cm.
Ist Messen aus der Hand wirklich so schlecht?
Für einen groben RT60-Wert geht es. Für den Vergleich von Frequenzgängen oder für Lokalisationsmessungen nicht. Ihr Körper reflektiert in die Kapsel zurück, und die Position wandert, sodass sich Geräteunterschied und Positionsunterschied nicht mehr trennen lassen.
Wie viele Positionen sollte ich messen?
Mindestens drei: der Hörplatz plus 30-50 cm in jede Richtung. Das genügt, um die Eigenart des Raums von Artefakten einer einzelnen Position zu trennen. Einen Einbruch, den Sie nur in einer einzigen Messung gesehen haben, sollten Sie nicht per EQ anheben.
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