Eine Datei mit dem Label 96 kHz / 24 Bit, und über 22 kHz ist das Spektrum schnurgerade. Gegenüber der CD, aus der sie stammt, ist kein einziges Bit hinzugekommen. Hüllen, die zu Hi-Res befördert wurden, ohne dass der Inhalt mitkam, laufen häufig genug herum, um sie zu prüfen.
Fazit
Fake-Hi-Res verrät sich am oberen Ende des Spektrums. Endet eine Datei mit 96-kHz-Angabe bei 22 kHz, war die Quelle eine CD. Drei Dinge zählen: wie weit das Signal reicht (effektive Bandbreite), ob es ausläuft oder abbricht (Roll-off), und was über der Wand liegt (der Rauschteppich). Kein Mikrofon ist beteiligt, Raum und Lautsprecher spielen hier also keine Rolle.
Was Fake-Hi-Res wirklich ist
Fake-Hi-Res heißt: eine Datei gibt eine hochauflösende Samplerate oder Bittiefe an, ihr Inhalt hat aber CD-Qualität oder stammt aus einer Lossy-Quelle.
Warum die Hülle dem Inhalt entwachsen kann, folgt direkt aus der Abtasttheorie. Die höchste speicherbare Frequenz ist die halbe Samplerate, die Nyquist-Frequenz. Bei einer CD mit 44,1 kHz sind das 22,05 kHz. Wandelt man dieses Master auf 96 kHz, steigt die Decke auf 48 kHz, aber oberhalb von 22,05 kHz war nie etwas gespeichert, also bleibt der neue Raum leer. Es entsteht keine Information. Gewachsen ist allein die Dateigröße.
Es gibt eine zweite Sorte: Material, das aus Lossy-Formaten wie MP3 oder AAC umgepackt wurde. Lossy-Encoder werfen die am wenigsten hörbaren Höhen zuerst weg, je nach Bitrate endet das Signal einfach um 16 kHz oder 20 kHz. Wandelt man das in FLAC oder WAV, kommt das verworfene Band nicht zurück. Die Endung sagt verlustfrei, der Inhalt bleibt beschnitten, und der Schnitt überlebt als senkrechte Wand.
Der Fairness halber: Hochrechnen ist für sich genommen kein Betrug. Oversampling passiert auf der Abspielseite ganz routinemäßig. Zum Problem wird es, wenn das Ergebnis ohne Hinweis als hochauflösendes Master verkauft wird. Die Prüfung will niemanden anklagen, sie will wissen, was die Datei in der Hand tatsächlich ist.
Drei Spuren im Spektrum
Echt, hochgerechnet, verlustbehaftet. Die Lage der Grenze und die Form des Abfalls trennen sie
Effektive Bandbreite. Wie weit das Signal reicht. Als Grenze gilt die höchste Frequenz, die noch einen festgelegten Betrag über dem Rauschteppich liegt. Echtes Hi-Res behält Inhalt, der Richtung Nyquist ausläuft, wie bescheiden auch immer. Eine Fälschung endet um 22 kHz abrupt.
Steilheit des Roll-offs. Gemessen in Dezibel pro Oktave. Natürliches Material und alles, was analoge Stufen durchlaufen hat, fällt sanft ab. Von einem digitalen Wandler beschnittenes Material zeigt die Kennlinie des Filters, und die kommt fast senkrecht heraus. Diese Form ist die Brickwall und der entscheidende Hinweis auf eine Lossy-Quelle.
Der Rauschteppich. Ist es über der Wand wirklich still, wurde die Datei beschnitten und umgepackt. Liegt dort stattdessen ein leises Rauschen, waren Dither oder Noise Shaping im Spiel. Dieser Fall schneidet in beide Richtungen: ein angehobener Teppich lässt das Band breiter erscheinen, als die Musik es ist.
Die Schwellenwerte
Mit diesen Zahlen arbeitet Sonir.
| Was gelesen wird | Schwelle | Bedeutung |
|---|---|---|
| Effektive Bandbreite | Höchste Frequenz über -60 dB vom Spitzenwert | Gilt als obere Grenze des Bandes |
| Hi-Res-Angabe | Samplerate über 50 kHz | Ab 88,2 kHz gilt es als Hi-Res-Angabe |
| Hochrechnen vermutet | Hi-Res-Angabe + Bandbreite unter 26 kHz | Inhalt liegt im CD-Bereich; Konfidenz steigt mit dem Abstand |
| Lossy-Quelle vermutet | Bandbreite unter 86% der Nyquist-Frequenz + Roll-off ab 48 dB/Okt. | CD-Samplerate, aber zu schmal und mit Wand |
| Nicht eindeutig | Keine Energie in den Höhen | Stille oder sehr leises Material. Zu wenig Grundlage |
Das Spektrum entsteht über 8192 Punkte aus etwa den ersten 90 Sekunden. Das ergibt rund 5,4 Hz pro Bin bei 44,1 kHz und 11,7 Hz bei 96 kHz, mehr als genug, um eine Wand genau zu verorten.
Die Urteile lauten echt, wahrscheinlich hochgerechnet, wahrscheinlich verlustbehaftet oder nicht eindeutig, jeweils mit einem Konfidenzwert. Diese Schwellen werden noch an echtem Material kalibriert, bei Dateien nahe einer Grenze also die Konfidenz mitlesen.
So prüfst du eine Datei
- Datei auswählen: kein Mikrofon. Eine Audiodatei vom Gerät wählen.
- Angegebene Samplerate ablesen: 44,1 kHz oder 48 kHz ist CD-Bereich, ab 88,2 kHz eine Hi-Res-Angabe.
- Effektive Bandbreite lesen: erreicht eine Hi-Res-Angabe keine 26 kHz, liegt Hochrechnen nahe.
- Steilheit ansehen: eine senkrechte Wand jenseits von 48 dB/Okt. ist ein Umwandlungs-Fingerabdruck.
- Rauschteppich und Konfidenz prüfen: Stille oder Dither über der Wand, und wie sicher das Urteil ist.
Weil kein Mikrofon im Signalweg sitzt, verhält sich dieser Teil von Sonir anders als der Rest. Keine Raumreflexionen, keine Mikrofonfärbung, keine AGC. Dieselbe Datei liefert auf jedem Gerät dasselbe Ergebnis. Die Umgebung ruhig zu halten ist beim akustischen Messen das Schwerste, eine Messung ohne Umgebung ist entsprechend entspannend.
Wann das Urteil falsch ist
Dieser Teil gehört ausgeschrieben. Eine Hi-Res-Datei mit schmalem Band ist nicht automatisch eine Fälschung.
Alte Aufnahmen haben oben einfach nichts. Ein Mono-Band aus den 1950ern in 24 Bit / 96 kHz neu aufgelegt, und über 20 kHz erscheint nichts. Auch die Besetzung zählt: Streicher und Stimme tragen deutlich weniger Hochtonenergie als programmierte Drums und Becken. Ebenso die Aufnahmekette. Haben Mikrofone und Vorverstärker nie über 20 kHz erfasst, ist eine korrekt aufgenommene Hi-Res-Datei optisch nicht von einer Fälschung zu unterscheiden.
Der Fehler läuft auch in die andere Richtung. Dither oder Noise Shaping heben den Rauschteppich in den Höhen, und ein angehobener Teppich liest sich als breiteres Band. Was da gemessen wird, ist Rauschen und nicht Musik, trotzdem landet die Grenze hoch. Die Bandbreitenschwelle allein trennt diese beiden Fälle nicht.
Deshalb die Formulierung als Verdacht. Ein Spektrum zeigt, was oben in einer Datei lebt, nicht die Produktionsgeschichte. Statt über einen einzelnen Titel zu urteilen, lieber mehrere desselben Albums ansehen. Stirbt jeder Titel bei derselben Frequenz in derselben Form, ist das ein Prozess und kein Material.
Zusammenfassung
- Fake-Hi-Res ist eine hochauflösende Hülle mit CD-Inhalt oder Lossy-Herkunft. Eine höhere Samplerate ergänzt keine Information
- Drei Dinge lesen: effektive Bandbreite, Steilheit des Roll-offs, Rauschteppich über der Wand. Eine 96-kHz-Angabe, die bei 22 kHz endet, wurde hochgerechnet
- Lossy-Quellen verraten sich durch eine senkrechte Wand nahe 16 kHz oder 20 kHz. Umpacken in FLAC baut sie nicht wieder auf
- Ein schmales Band hat auch harmlose Gründe: alte Aufnahmen, dünne Besetzung, die Aufnahmekette. Das Urteil als Verdacht mit Konfidenzwert lesen
- Kein Mikrofon beteiligt, die Ergebnisse hängen also nicht von Raum oder Mikrofon ab. Dieselbe Datei ergibt immer dasselbe
Häufige Fragen
Was ist Fake-Hi-Res?
Eine Datei, die eine hochauflösende Samplerate oder Bittiefe angibt, deren Inhalt aber CD-Qualität hat oder aus einer Lossy-Quelle stammt. Ein 44,1-kHz-Master auf 96 kHz zu wandeln, ergänzt keine Information oberhalb von 22,05 kHz, die nie vorhanden war. Größer wurde nur die Hülle.
Woran erkennt man es im Spektrum?
An der oberen Grenze und daran, wie das Signal dort ankommt. Eine Datei mit 96-kHz-Angabe sollte bis fast 40 kHz noch Inhalt haben. Fällt sie um 22 kHz senkrecht ab und ist darüber still, war die Quelle eine CD. Ein Roll-off steiler als 48 dB/Okt. ist eine Wand aus der Umwandlung.
Lässt sich eine zu FLAC gewandelte MP3 erkennen?
Meist ja. Lossy-Encoder verwerfen das obere Band und hinterlassen eine Brickwall um 16 kHz oder 20 kHz. Das Umpacken in einen verlustfreien Container stellt sie nicht wieder her, also verrät sich die Datei durch CD-Samplerate bei schmalem Band mit senkrechter Wand.
Ist jede Hi-Res-Datei mit schmalem Band eine Fälschung?
Nein. Alte Aufnahmen und dünne Besetzungen tragen oben tatsächlich fast nichts. Haben Mikrofone und Kette nie über 20 kHz erfasst, sieht das Spektrum genauso aus. Deshalb ist das Urteil als Verdacht formuliert und nicht als Feststellung.
Geht das allein mit dem Smartphone?
Ja. Die Dateiprüfung nutzt kein Mikrofon, also spielen weder Raum noch Mikrofongenauigkeit eine Rolle. Sonir liest eine Datei vom Gerät und nennt effektive Bandbreite, Roll-off und ein Urteil. Kein Messmikrofon, kein stiller Raum.
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